Leipziger Buchmesse 2026: Ein Besuch am ruhigsten Tag – eigentlich
Die Leipziger Buchmesse ist ein Publikumsmagnet. Ein persönlicher Rückblick auf einen spannenden ersten Messetag zwischen Giganten und Geheimtipps.
Schon beim Einstieg in den Regionalexpress, laut Bahnauskunft mit „geringer Auslastung“, spürt man, dass etwas Großes los ist. Alle Plätze sind restlos belegt. Die S-Bahn zur Messe Leipzig platzt dann ab Dessau aus allen Nähten – und es ist gerade erst Donnerstag früh! Wie soll das erst am Samstag werden, dem großen Publikumstag der Leipziger Buchmesse 2026?
Der Zustrom am Messegelände ist beachtlich und bunt. Eben bin ich noch neben einer Gruppe Rentnerinnen, die sich über den Buchgeschmack ihrer vierjährigen Enkelkinder wundern, plötzlich schwimmt man mit in einem Sog aus Hunderten, immer wieder auffällig gespickt mit verkleideten Cosplayer*innen.
Vor allem heute mischen sich viele Schulklassen darunter. Man kann den Jugendlichen ansehen, wer Lust auf Buchmesse hat und wer dort eher verloren ist. Das leicht verschämte Herumkaspern cooler Jungs in „Fish out of water“-Umgebung hat sich in 30 Jahren nicht wesentlich verändert und weckt Erinnerungen.
Was für die Schulklassen sicher der größte Anziehungspunkt sein dürfte, ist die integrierte „Manga Comic Con“ in Halle 1, gleich am Anfang. Eine bunte Welt voll Plüsch, Pink und Plastikwaffen und mit gewaltiger Zugkraft. Aber auch an den Schulbuchverlagen in Halle 4 kann man Schüler*innengrüppchen beobachten, die sich von Lehrer*innen vor den Ständen von Klett & Co. knipsen lassen.
Dazwischen scheint die Farbe lila zu dominieren, in all ihren Schattierungen. Etwas zu uniform kommt einem Außenstehenden die Welt von BookTok, Young Adult, Romantasy & Co. vor, obwohl sie das mit Sicherheit nicht ist. Beeindruckend sind jedenfalls die Warteschlangen bei den Genregrößen: Für den Stand des Verlags LYX gibt es einen abgeteilten Wartebereich, deren Menschenschlange eine halbe Hallenwand einnimmt, bei der Bücherbüchse höre ich, wie von einer halben Stunde Wartezeit die Rede ist, um überhaupt an den Stand zu gelangen. Spürbar ist auch der Hype, den der Second-Chances-Verlag aus Thüringen hat. Seit dem Serienhit „Heated Rivalry“ vor einigen Wochen boomt das Geschäft, denn der Verlag hat die Buchvorlage im Portfolio. Das ist vor allem erfreulich, weil es sich um einen unabhängigen Verlag handelt.
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Viele weitere Unabhängige haben ihre eigene Ecke in Messehalle 5 und sind definitiv einen Besuch wert. Hier hat man wohl auf kleinem Raum die größte Vielfalt, abseits der Stromlinienform. Ich rede mit Klaus Farin vom Hirnkost-Verlag aus Berlin. 2022 noch mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet, musste er Ende 2025 die Insolvenz bekanntgeben. Eine Welle der Solidarität und eine gut laufende Neuerscheinung retten ihn zumindest bis zur Buchmesse. Was danach kommt, ist offen. Mindestens vier Verlage haben nach ihm noch aufgegeben, sagt Farin. Ein großes Medienecho gebe es dafür nicht, dafür ist es zu alltäglich geworden.
Das passt zur Katerstimmung, die aktuell in der Branche herrscht, von der man in den Messehallen allerdings nichts merkt. Thriller-Gigant Sebastian Fitzek hat seinen eigenen, fast museal anmutenden Riesen-Stand, TV-Literaturkritiker Denis Scheck stellt vor großem Publikum feministische Literatur vor, immer mehr bunt Kostümierte genießen die Sonne im Außengelände. Und auch die Lesung des Hirnkost-Buches „Tanz auf dem Vulkan“ ist zum Brechen voll besucht.
Am späteren Nachmittag sind die Schulklassen weg und viele andere Gäste auch. Es schlendert sich entspannt durch die Hallen. Die Menschen sind erschöpft, aber glücklich, so scheint es. Ob das am Samstag auch so wird? Ich werde den Test machen.