Diese zehn Popsongs basieren auf Romanen
Dass sich Künstler*innen gegenseitig inspirieren, ist kein Geheimnis. Hier stellen wir dir zehn legendäre Popsongs vor, die auf Romanen basieren.
Sicher hast du schon Romane gelesen, an dessen Anfang eine Liste mit Songs steht, die gut zum Inhalt passen oder in dem es immer wieder Anspielungen und Zitate aus Popsongs gibt. Viele Autor*innen nutzen Musik, um sich in die richtige Stimmung zum Schreiben zu bringen oder auf neue Ideen für die Handlung zu kommen. Es kann aber auch umgedreht sein, denn manche Sänger*innen lesen Bücher und beschließen dann, die Story in einem Lied zu bearbeiten. Heute stellen wir dir zehn legendäre Pop-Hits vor, die auf Büchern basieren. Dabei dürfte nicht nur eine Überraschung enthalten sein.
#1 „All Along the Watchtower“ – Bob Dylan
Durch Jimi Hendrix ist dieser Song 1968 erst so richtig berühmt geworden, allerdings war es Bob Dylan, der „All Along the Watchtower“ ein Jahr zuvor geschrieben hat. Neben den vielfältigen religiösen Motiven, die in das Lied eingeflossen sind, wenn beispielsweise der Wind den Untergang Babylons verkündet, lässt sich hier ein echter Horror-Klassiker in den Zeilen entdecken. Ob es wirklich der 150 Jahre ältere Roman „Frankenstein“ von Mary Shelley war, auf dessen Grundlage der Song entstand, ist unklar. Allerdings gibt es einige eindeutige Parallelen, die Fans zu dieser Vermutung veranlasst haben.
#2 „Wuthering Heights“ – Kate Bush
Kate Bush teilt nicht nur ihren Geburtstag mit Emily Brontë, sondern hat sich auch von deren 1847 unter Pseudonym erschienenen Roman „Sturmhöhe“ (Originaltitel: „Wuthering Heights“)inspirieren lassen, genauer gesagt vom dritten Kapitel. In ihrem gleichnamigen Song von 1978 erzählt Kate Bush aus der Perspektive der Figur Catherine, wie sie als Geist ihr altes Haus besucht und ihren Geliebten Heathcliff darum bittet, sie durch das Fenster hineinzulassen. Mit ihrer beeindruckenden Stimme und dem Tanz, den sie im zugehörigen Musikvideo ausführt, unterstreicht Bush die unheimliche Stimmung dieser Szene.
P.S.: Bereits zwei Jahre zuvor brachte die britische Prog-Rock-Band Genesis das vom selben Roman inspirierte Album „Wind and Wuthering“ heraus. Zwei miteinander verbundene Stücke sind benannt nach den letzten Worten des Romans: „Unquiet Slumbers for the Sleepers … In That Quiet Earth.“
#3 „Firework“ – Katy Perry
Nicht immer geben Sänger*innen offen zu, dass sie von anderen inspiriert worden sind. Bei Katy Perry ist das anders, denn bei einem Interview in 2012 bestätigte sie das, was vielen Fans schon vorher bewusst war: Ihr 2010er Megahit „Firework“ ist an Jack Kerouacs legendären 1957er Roman „Unterwegs“ (Originaltitel: „On The Road“) angelehnt, einem Schlüsselwerk der Beat Generation. Anscheinend war Katy Perrys Ex-Mann ein großer Fan des Autors und hat sie mit seinem Elan angesteckt. Das spiegelt sich vor allem im Songtext wider, der sich an mehreren Stellen mit der Literaturvorlage vergleichen lässt.
#4 „Hurricane“ – Thirty Seconds to Mars
Der Song „Hurricane“ (2010) wurde zwar nicht explizit über die Romanvorlage geschrieben, allerdings enthält die unzensierte Version ein direktes Zitat aus Edgar Allan Poes 1845er Gedicht „Der Rabe“:
„Deep into that darkness peering, long I stood there wondering, fearing, doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before.“
(Dt. „Düster in das Dunkel schauend stand ich lange starr und grauend, Träume träumend, die hienieden nie ein Mensch geträumt vorher.“)
Darüber hinaus werden viele Themen aus der literarischen Vorlage in dem Lied verarbeitet und auch das Musikvideo weist einige eindeutige Anspielungen auf.
#5 „We Are the Dead“ – David Bowie
David Bowie arbeitete an seinem Album „Diamond Dogs“ mit der Intention, die Lieder für eine Theaterproduktion zu George Orwells Dystopie „1984“ (erschienen 1949) verwenden zu dürfen, allerdings bekam er die dafür benötigten Rechte nicht. Dennoch ist der Einfluss des Romans noch in vielen dieser Songs offensichtlich, so auch bei „We Are the Dead“ von 1974. Die Parallelen lassen sich bereits im Titel erkennen, der aus einer immer wiederkehrenden Zeile besteht und im Roman die Trennung der Gesellschaftsschichten und die bevorstehende Verhaftung des Protagonisten beschreibt.
#6 „Animals“ – Pink Floyd
David Bowie war nicht der einzige, der sich von George Orwell inspirieren ließ. Auch Pink Floyd, die für ihr sphärisches Storytelling bekannt sind, haben dem Autor Tribut gezollt und dafür 1977 ein ganzes Album auf die Beine gestellt. Mit „Animals“ kritisieren sie den Kapitalismus mit seinen Folgen und nutzen als Metapher Tiere, die sich gegen ihre Menschen behaupten. Genau dieses Motiv verwendet auch Orwell in „Farm der Tiere“ (Originaltitel: „Animal Farm“, 1945), einem seiner bekanntesten Werke. Die Parallelen lassen sich also nicht von der Hand weisen.
#7 „Moon Over Bourbon Street “– Sting
Neben seinem Talent als Sänger und Bassist ist Sting auch dafür bekannt, das Außergewöhnliche zu lieben. So kam es dazu, dass er eines Abends nach einem Police-Konzert in New Orleans den 1976 erschienenen Roman „Gespräch mit einem Vampir“ von Anne Rice gelesen hat. Als Sting im Anschluss aus dem Fenster seines Hotels im French Quarter auf die Straße sah, kam ihm die Idee zu „Moon Over Bourbon Street“. Der Song handelt von einem Betrunkenen, der durch die Straßen läuft und um seine Frau und sein ungeborenes Kind trauert, bis er von einem Vampir gebissen wird.
#8 „Romeo and Juliet“ – Dire Straits
Wie der Titel bereits verrät, wurde hier das klassische Drama „Romeo und Julia“ von William Shakespeare behandelt. Viele Künstler*innen haben sich von der Tragödie beeinflussen lassen, so auch Mark Knopfler, der Frontmann der Band Dire Straits. Mit der 1980 erschienenen herzzerreißenden Ballade über die verbotene Liebe und die zerstrittenen Familien schuf die Band einen ihrer von der Kritik höchstgelobten Songs. Allerdings verarbeitet Knopfler hier seine eigene Scheidung und setzt die Geschichte dabei in ein modernes Setting und gibt ihr einen anderen Twist.
#9 „Sympathy For The Devil“ – The Rolling Stones
Mick Jagger hat sich 1968 für diesen Song vom ein Jahr zuvor erschienenen Roman „Der Meister und Margarita“ inspirieren lassen. Dieses Werk ist das bekannteste des russischen Autors Michail Bulgakow und beschreibt einen Besuch des Teufels im Moskau der 1930er Jahre, während dem er vielen Menschen Leid und Tod bringt. Die Rolling Stones treiben die Handlung auf die Spitze, indem sie den Teufel selbst sprechen lassen. Ihm werden Fragen gestellt, auf die er bereitwillig antwortet. „Sympathy For The Devil“ ist ein echter Klassiker der Stones, der auch heute noch gerne gehört wird.
#10 „Bohemian Rhapsody“ – Queen
„Bohemian Rhapsody“ (1975) ist wohl einer der bekanntesten und epischsten Songs, die Queen jemals veröffentlicht hat. Er besteht aus insgesamt sechs Abschnitten, die alle für sich stehen können, aber nur zusammen die bekannte Rhapsodie ergeben. Zitiert und verarbeitet werden diverse Vorlagen, so auch „Der Fremde“ (1942) vom französischen Schriftsteller und Philosophen Albert Camus. Mit dem Song griff Mercury auf den Protagonisten des Romans zurück, der als Künstler auf Konventionen und Standards verzichtet. Peter Freestone, der über viele Jahre der persönliche Assistent Mercurys war, sagte einmal, dass der Sänger sein Coming-Out in dem Lied verarbeitet hat.
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