Das sind die kuriosesten Literaturpreise der Welt

Von wegen Pulitzer: Neben den bekanntesten Ehrungen für Autor*innen gibt es so einige kuriose Preise – und nicht immer sind sie ein Grund zur Freude.

Buchpreise gibt es in den schrägsten Ausrichtungen.
Quelle: IMAGO / CHROMORANGE

Buchauszeichnungen wie den Literaturnobelpreis und den Deutschen Buchpreis kennst Du sicher. Sie sind große Ehrungen für junge und erfahrene Schriftsteller*innen. Doch neben den bekannten Würdigungen gibt es weltweit eine Vielzahl anderer Literaturpreise, die Bücher und Texte aller Art erhalten können. Von Preisen für Literatur-Nischen, schlechte Texte und absurde Inhalte ist alles dabei, Hier sind zehn der kuriosesten Literaturauszeichnungen.

Bad Sex in Fiction Award

Morrissey wurde für sein Buch „List of the Lost“ ausgezeichnet.
Quelle: IMAGO / WENN

Einer der seltsamsten Preise für Literatur ist der Bad Sex in Fiction Award. Diese Auszeichnung gab es von 1993 bis 2020: Das britische Magazin Literary Review verleiht den Award jährlich an einen zeitgenössischen Roman für – wie der Name verrät – die schlechteste Beschreibung einer Intimszene. Der ehemalige Chefredakteur Auberon Waugh erklärte, der Preis habe das Ziel „die Aufmerksamkeit auf die kruden, geschmacklosen, oft nachlässig geschriebenen und redundanten sexuellen Passagen in modernen Romanen zu lenken, um solche künftig zu verhindern.“ Neben einer formalen Auszeichnung werden Preisträger*innen mit einer Skulptur „belohnt“, die das, was in ihrem Buch schlecht beschrieben wurde, vage andeutet. Ausgezeichnet wurden auch schon Größen wie Tom Wolfe, Norman Mailer oder der Sänger Morrissey.

Bollinger Everyman Wodehouse Prize

Exemplare dieser Hausschweinrasse werden regelmäßig nach humorvollen Büchern getauft.
Quelle: IMAGO / i Images
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Ebenfalls aus Großbritannien stammt der Bollinger Everyman Wodehouse Prize, der speziell humoristische Literatur kürt. Seinen Namen erhielt der Preis vom englischen Schriftsteller P. G. Wodehouse, sowie dem Champagnerhersteller Bollinger und dem Everyman-Verlag, die den Preis stiften. Preisträger*innen erhalten neben der formalen Auszeichnung auch eine riesige Flasche des Bollinger Special Cuvée. Dazu gibt es die Komplettausgabe von Wodehouses Werken (immerhin 100 Bücher) und als besonderes Bonbon wird ein Schwein der Zuchtrasse Gloucestershire Old Spots (siehe Foto) mit dem Namen des Gewinnerbuches getauft. Zu den bekanntesten Gewinner*innen zählen Jonathan Coe und Marina Lewycka, deren „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ gleich zweimal ausgezeichnet wurde.

Prix de la Page 112

Der Film „Hannah und ihre Schwestern“ inspirierte den Prix de la Page 112.
Quelle: IMAGO / Ronald Grant

Mit dem Prix de la Page 112 schafft es eine besonders ungewöhnliche Auszeichnung auf diese Liste: Der Preis stammt aus Frankreich und bedeutet übersetzt „Preis der Seite 112“. Und genau darum geht es auch – bei diesem Preis bewerten Juror*innen zuerst nur die Seite 112. Hat das Buch eine ansprechende Seite 112, wird auch der Rest gelesen. Inspiriert wurde der Preis durch Woody Allens Film „Hannah und ihre Schwestern“ und dem daraus stammenden Zitat „Vergiss nicht das Gedicht auf Seite 112.“ Der Gedanke hinter dem Projekt: Der Seite 112 wird normalerweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Autor*innen geben sich am Anfang und am Ende des Buches mehr Mühe. Ist auch eine unscheinbare Seite wie die Seite 122 schön zu lesen, sei das ein guter Indikator für den Rest des Buches. Leider wurde dieser schöne Preis nur bis 2018 vergeben.

The Bookseller/Diagram Prize for Oddest Title of the Year

Auch absurde Buchtitel bekommen ihre Chance zur Auszeichnung.
Quelle: IMAGO / imagebroker

Das britische Literaturmagazin The Bookseller kürt jedes Jahr den ungewöhnlichsten Buchtitel. Ausgeschlossen werden dabei jedoch ganz bewusst gewählte seltsame Titel, etwa von humoristischen Büchern. Der Preis ist undotiert, allerdings gibt es eine Belohnung für die Person, die den Siegertitel als erstes vorgeschlagen hat. Damit wird nicht nur der Buchtitel, sondern auch die besondere Entdeckung belohnt. Preistragende Bücher sind etwa „Wie man Riesenschiffen ausweicht“ (1992), „Machen Sie Ihr Pferd bombensicher“ (2004), „Zu nackt für die Nazis“ (2015) und „Die Freude am Wasserkochen“ (2018).

Ig-Nobelpreis

Die Verleihung des Ig-Nobelpreises an den Forscher Tomoki Kojima 2025.
Quelle: IMAGO / Kyodo News

Den Nobelpreis kennt jedes Kind, doch hast Du schon von dem Ig-Nobelpreis gehört? Dabei handelt es um einen Preis, der nicht nur speziell für Bücher verliehen wird, sondern generell für Ausarbeitungen, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“. Seinen Namen erhält der Preis nach dem englischen Wort „ignoble“, was so viel wie „unwürdig“ bedeutet. Entsprechend wird der Preis im Volksmund häufig auch als „Anti-Nobelpreis“ bezeichnet. Einer der bekanntesten Preisträger*innen ist der Physiker Robert Matthews, der mit seinen Studien zu Murphys Gesetz ausgezeichnet wurde – insbesondere darüber, dass Toastbrotscheiben immer mit der gebutterten Seite nach unten fallen. auf dem Bild sehen wir Tomoki Kojima, den Preisträger von 2025. Er bewies, dass mit Zebrastreifen angemalte Kühe weniger von Stechfliegen belästigt werden.

Deutscher Gartenbuchpreis

Der Gartenbuchpreis des Jahres 2023.
Quelle: IMAGO / Funke Foto Services

Ein Preis für eine besondere Kategorie von Büchern: Der Deutsche Gartenbuchpreis wird seit dem Jahr 2006 durch das Schloss Dennenlohne, ein bayrisches Barockensemble, verliehen. Ausgezeichnet werden damit „herausragende Gartenbücher, E-Books, Creators und Gartenfotografen“ verschiedenster Kategorien. Der Preis erlangte so viel Erfolg, dass 2011 mit dem „European Garden Book Award“ eine europaweite Variante folgte. Präsentiert wird der Preis auch durch die Firma STIHL, die drei Werke mit insgesamt 10.000 Euro krönt. Zudem gibt es im Rahmen dieses Preises eine 1.000-Euro-Prämie für die besten europäischen Gartenfotografien sowie das beste Buch über Stauden. Gartenfreunde haben hier die Chance auf besondere Auszeichnungen und Preisgelder, die sich lohnen.

The Weird-Ass Picture Book Award

Kinderbücher, die auch Erwachsene lieben, gehören prämiert.
Quelle: IMAGO / Westend61

Auch der Weird-Ass Picture Book Award schafft es auf die Liste der kuriosesten Bücherpreise. Bei diesem Preis handelt es sich um eine Auszeichnung, die ungewöhnliche und humorvolle Kinderbücher auszeichnet, über die Erwachsene auch lachen können. Preise werden sowohl für die ungewöhnlichste Geschichte als auch die besten Illustrationen verliehen. Der Weird-Ass Picture Book Awards wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Kreiert hat den Preis die Autorin Betsy Bird, die insbesondere für ihren Blog bekannt ist. Da sie selbst in der Mutterrolle steht, ist sie mit kuriosen Kinderbüchern bestens vertraut. Ob der Preis tatsächlich noch vergeben wird, oder nur ein Strohfeuer war, ist allerdings nicht ersichtlich.

Prix de Flore

Die Verleihung des Prix de Flore 2022 war offenbar eine gelungene Feier.
Quelle: IMAGO / Bestimage

Du fragst dich, wo es wohl die meisten Buchpreise gibt? Frankreich schafft es definitiv auf die Bestenliste. Der Prix de Flore ist einer der französischen Preise, die etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen: Dem Namen entsprechend wird der Preis im gleichnamigen Café in Paris verliehen. Schriftsteller Frédéric Beigbeder rief den Preis bereits 1994 zur Würdigung französischsprachiger junger Autor*innen ins Leben. Die Autor*innen müssen jedoch nicht zwingend aus Frankreich stammen. Neben einem großzügigen Scheck (im Jahr 2026 mehr als 6.000 Euro) gibt es außerdem ein Glas Pouilly Fumé, in das der Sieger*innen-Name eingraviert wird. Dieses Glas darf ein Jahr lang nach Preisverleihung beliebig oft im Café de Flore mit dem guten Wein nachgefüllt werden. Auf dem Foto sieht man die Preisverleihung 2022, auf der man offensichtlich Spaß hatte.

Shorty Award

Der Shorty Award wird seit 2009 verliehen.
Quelle: IMAGO / piemags

Mit dem Shorty Award werden auch kurze Texte gewürdigt. Während es zahlreiche Auszeichnungen für Romane und lange Werke gibt, erhalten dadurch auch die Texte Aufmerksamkeit, die sonst selten gekürt werden. Shorty Awards gibt es heutzutage in vielen Kategorien, zu denen unter anderem Social Media Texte und Micro-Blogs gehören. Der Preis bietet eine Bühen für aussagekräftige, aber kurze und präzise Werke. Shorty Awards gibt es allerdings auch für Videos und anderen digitalen Content.

Bulwer-Lytton Fiction Contest

Der Namensgeber Edward George Earle Bulwer-Lytton ahnte nicht, was in seinem Namen passieren sollte.
Quelle: IMAGO / Newscom World

Bis zum Jahr 2024 gab es den Bulwer-Lytton Fiction Contest. Dieser Preis zeichnete den ersten Satz eines schlechtmöglichsten fiktiven Romans aus. Es ging dabei nicht um Sätze aus real existierenden Büchern, sondern um Einreichungen von Sätzen, die aus Büchern stammen könnten. Namensgeber ist der britische Autor Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873, siehe Bild), dessen legendärer erster Roman-Satz „Es war eine dunkle und stürmische Nacht“ vor allem durch die Peanuts-Comics bekannt wurde. Erfinder des Preises ist Professor Scott Rice, er stellte den Wettbewerb jedoch aus Altersgründen im Jahr 2024 ein. Bis dahin durfte sich die Auszeichnung jedoch großer Aufmerksamkeit erfreuen. Obwohl er im ersten Jahr nur drei Einsendungen verzeichnete, erlangte er im zweiten Jahr so viel Bekanntheit, dass mehr als 10.000 Einsendungen eintrafen.

Die Welt der Bücher ist voller Überraschungen: Und diese Preise küren die kuriosesten Seiten der Literaturwelt. Vielleicht kennst du auch ein Werk, dass in eine dieser Kategorien passt?

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Lesetipp: Das sind die wirklich wichtigsten Literaturpreise der Welt.

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