Die Reihenfolge von Mittelerde: So liest du J.R.R. Tolkiens Bücher richtig

„Der Herr der Ringe“ chronologisch lesen klingt einleuchtend, ist aber nicht gut für Einsteiger. Wir erklären, wie man sich Mittelerde am besten widmet.

Mittelerde: Eine Welt, die weit über „Der Herr der Ringe“ hinausgeht

J.R.R. Tolkiens Bücher entführen nach Mittelerde.
Quelle: IMAGO / ZUMA Press

Kaum eine Fantasy-Welt ist so detailliert ausgearbeitet wie J.R.R. Tolkiens Mittelerde. Was mit „Der kleine Hobbit“ im Jahr 1937 als vergleichsweise märchenhaftes Abenteuer begann, entwickelte sich zu einem gewaltigen Mythos mit eigenen Völkern, Sprachen, Königreichen und einer Geschichte, die Tausende Jahre zurückreicht.

Mit „Der Herr der Ringe“ legte Tolkien zwischen 1954 und 1955 den großen Nachfolger vor. Das Werk wurde ursprünglich als ein Roman konzipiert, wegen der Papierknappheit und der hohen Produktionskosten nach dem Zweiten Weltkrieg aber in drei Bände aufgeteilt: „Die Gefährten“, „Die zwei Türme“ und „Die Rückkehr des Königs“.

Erst nach Tolkiens Tod folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen aus seinem Nachlass, die Mittelerdes Vergangenheit noch viel ausführlicher beleuchten, darunter „Das Silmarillion“ (1977) und später die umfangreiche zwölfbändige Reihe „The History of Middle-earth“ (erschienen zwischen 1983 und 1996). Diese Veröffentlichungen wurden von seinem Sohn Christopher Tolkien herausgegeben und machten große Teile des zuvor unveröffentlichten Legendariums zugänglich.

Damit stehen heute nicht einfach nur ein paar Bücher in einem Regal, sondern mehrere Ebenen nebeneinander: abgeschlossene Erzählungen, mythologische Texte, unvollendete Geschichten und von Christopher Tolkien herausgegebene Manuskripte. Genau deshalb ist die Frage nach der richtigen Reihenfolge komplizierter, als sie zunächst klingt.

Die beste Reihenfolge für Einsteiger

Der Originaltitel lautet „The Lord of the Rings: The Return of the King“.
Quelle: IMAGO / Pond5 Images
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Um in die Welt von Mittelerde einzusteigen, empfehlen wir diese Reihenfolge:

#1 „Der kleine Hobbit“ (1937)

Für den ersten Besuch in Mittelerde ist „Der kleine Hobbit“ laut  Tolkiengesellschaft die beste Wahl. Die märchenhafte Abenteuergeschichte von Bilbo Beutlin beginnt vergleichsweise leicht und führt dich mit Zwergen, Elben, Trollen, einem Drachen und natürlich Gollum, dessen Begegnung mit Bilbo später für „Der Herr der Ringe“ entscheidend wird, Schritt für Schritt in Tolkiens Welt ein. Gleichzeitig lernst du wichtige Figuren und Schauplätze kennen, die in den späteren Titeln eine wesentlich größere Rolle spielen.

#1 „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ (1954)

Weiter geht es mit „Die Gefährten“. Die Geschichte ist deutlich umfangreicher und ernster als „Der kleine Hobbit“. Aus Bilbos Abenteuer wird nun eine Bedrohung, die ganz Mittelerde betrifft: Frodo Beutlin muss den Einen Ring zerstören, der im Feuer des Schicksalsbergs geschmiedet wurde, bevor er seinem Schöpfer Sauron wieder in die Hände fällt. In diesem Roman zeigt sich erstmals die enorme Tiefe von Tolkiens Welt. 

#1 „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ (1954)

In „Die zwei Türme“ wird die Geschichte nach der Trennung der Gefährten auf mehreren Handlungsebenen weitergeführt. Rohan, Saruman und die gewaltige Schlacht um Helms Klamm rücken in den Mittelpunkt. Der Roman baut direkt auf „Die Gefährten“ auf und sollte deshalb nicht unabhängig davon gelesen werden.

#1 „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ (1955)

Den Abschluss der Trilogie bildet „Die Rückkehr des Königs“. Hier laufen die großen Handlungsstränge zusammen und der Kampf gegen Sauron erreicht seinen Höhepunkt. Während Aragorn seine Rolle als Anführer annimmt, steht für Frodo und Sam der gefährlichste Teil ihrer Reise bevor. Zugleich entscheidet sich das Schicksal von Mittelerde – und damit auch, ob der Eine Ring endgültig vernichtet werden kann.

Für Einsteiger ist diese Reihenfolge besonders sinnvoll, weil du die Welt genau so kennenlernst, wie sie auch für viele Generationen von Leser*innen zugänglich wurde: zunächst als Abenteuer, danach als großes Epos. 

Sagen und Legenden aus dem Tolkien-Universum

„Das Silmarillion“ gilt als Tolkiens komplexestes Werk.
Quelle: amazon.de

Nach „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ beginnt die zweite Lesestufe. Während die ersten vier Bücher eine zusammenhängende und relativ leicht zugängliche Reise erzählen, werden die folgenden Werke zunehmend zu einer Erkundung von Tolkiens Mythologie und der Geschichte seiner Welt:

#2 „Das Silmarillion“ (1977)

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Tolkiens komplexestes Werk. Du kennst bereits Frodo, Aragorn, Gandalf, Sauron und die Welt Mittelerdes – dadurch fällt es deutlich leichter, die vielen Namen, Völker und historischen Ereignisse einzuordnen. „Das Silmarillion“ führt dich weit zurück bis zur Schöpfung von Arda und erzählt die Vorgeschichte der späteren Ereignisse. Es ist in fünf Teile unterteilt, die in drei Zeitaltern spielen. 

#2 „Die Kinder Húrins“ (2007)

Anschließend kannst du mit „Die Kinder Húrins“ tiefer in das Erste Zeitalter eintauchen. Die tragische Geschichte um Túrin Turambar ist deutlich stärker als zusammenhängende Erzählung angelegt und daher wieder leichter zu lesen als „Das Silmarillion“.

#2 „Nachrichten aus Mittelerde“ (1980)

Danach bieten sich „Nachrichten aus Mittelerde“ an. Der Band versammelt verschiedene unvollendete Erzählungen aus unterschiedlichen Epochen und liefert zusätzliche Informationen zu Figuren und Ereignissen, die in den Hauptwerken und in „Das Silmarillion“ nur am Rand erwähnt werden.

#2 „Beren und Lúthien“ (2017)

Hier geht es um eine der wichtigsten Liebesgeschichten innerhalb von Tolkiens Legendarium. Das Buch ist allerdings etwas Besonderes: Es enthält verschiedene Fassungen der Geschichte und Kommentare von Christopher Tolkien. Du solltest es deshalb eher als Vertiefung und nicht als klassischen Roman betrachten.

#2 „Der Fall von Gondolin“ (2018)

Zum Abschluss kannst du dich noch der Geschichte Gondolins widmen, einer der großen Erzählungen aus dem Ersten Zeitalter. Auch hier bekommst du verschiedene Entwicklungsstufen von Tolkiens Texten präsentiert.

Danach: Noch tiefer in Tolkiens Welt

„Der Herr der Ringe“ ist auch als Filmreihe legendär.
Quelle: IMAGO / Everett Collection

Anschließend könnt ihr euch noch an die weiteren Tolkien-Bücher machen, die euch noch mehr Wissen über Mittelerde und seine Entstehung liefern. Hierbei spielt die Reihenfolge keine große Rolle, um die Zusammenhänge zu verstehen. Die Bücher sind eher als Ergänzung und Vertiefung gedacht:

  1. „Das Buch der verschollenen Geschichten 1“ (1983)
  2. „Das Buch der verschollenen Geschichten 2“ (1984)
  3. „Die Abenteuer des Tom Bombadil“ (1962)
  4. „Bilbos Abschiedslied“ (1990)
  5. „Natur und Wesen von Mittelerde“ (2021)
  6. „Geschichten aus dem gefährlichen Königreich“ (1997)

Eine besondere Stellung nimmt „The History of Middle-earth“ ein. Die von Christopher Tolkien herausgegebene Reihe umfasst insgesamt zwölf Bände und zeichnet anhand von Entwürfen, Notizen und unterschiedlichen Textfassungen nach, wie J.R.R. Tolkien seine Welt über Jahrzehnte entwickelte. Sie ist deshalb weniger eine klassische Buchreihe als eine Reise in Tolkiens Schreibwerkstatt. Leider ist sie nicht auf Deutsch verfügbar.

Die Reihenfolge für Erscheinungsreihenfolge-Purist*innen

Wer Tolkien möglichst nah an der Veröffentlichungsgeschichte erleben möchte, kann sich an der Reihenfolge orientieren, in der die zentralen Werke erschienen sind:

  1. „Der Hobbit“ – 1937
  2. „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ – 1954
  3. „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“ – 1954
  4. „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ – 1955
  5. „Das Silmarillion“ – 1977
  6. „Nachrichten aus Mittelerde“ – 1980
  7. „Die Kinder Húrins“ – 2007
  8. „Beren und Lúthien“ – 2017
  9. „Der Fall von Gondolin“ – 2018

Diese Variante hat einen besonderen Reiz: Du erlebst zunächst Tolkiens wichtigste abgeschlossene Werke und tauchst erst danach immer tiefer in die Mythologie und die Entstehungsgeschichte Mittelerdes ein. Dabei sollte man allerdings wissen, dass die später erschienenen Bücher nicht einfach als klassische Fortsetzungen funktionieren. Viele Texte wurden erst nach Tolkiens Tod von seinem Sohn Christopher Tolkien aus vorhandenen Manuskripten zusammengestellt, bearbeitet und kommentiert.

Die chronologische Reihenfolge: Mittelerde von Anfang an

Selbst eine eigene Runenschrift gibt es für Tolkiens werk.
Quelle: IMAGO / Depositphotos

Wer die Geschichte der Welt selbst in den Mittelpunkt stellt, kann dagegen weit in die Vergangenheit zurückgehen. Dann beginnt die Reise nicht mit Bilbo – sondern mit der Entstehung von Arda. Danach folgen die Zeitalter und zum Schluss der Ringkrieg. 

Das erste Zeitalter:

  1. „Das Silmarillion Teil 1: Ainulindalë“ (Die Musik der Ainur)
  2. „Das Silmarillion Teil 2: Valaquenta“
  3. „Das Silmarillion Teil 3: Quenta Silmarillion“
  4. „Die Kinder Húrins“
  5. „Beren und Lúthien“
  6. „Der Fall von Gondolin“

Das zweite Zeitalter:

„Das Silmarillion Teil 4: Akallabêth“ (Der Untergang von Númenor)

Das dritte Zeitalter:

  1. „Das Silmarillion Teil 5: Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter“
  2. „Der Hobbit“
  3. „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“
  4. „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“
  5. „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“

„Das Silmarillion“ erzählt von den frühesten Epochen der Welt und reicht bis weit vor die Ereignisse um Bilbo und Frodo zurück. Es ist in fünf Teile gegliedert, die für die chronologische Reihenfolge nach Weltgeschichte kapitelweise gelesen werden sollten. Für Einsteiger ist diese Reihenfolge allerdings nicht unbedingt die beste Wahl.

Warum „Das Silmarillion“ am Anfang schwierig werden kann

Tolkiens Silmarillion ist keine leichte Kost.
Quelle: IMAGO / Bridgeman Images

Das Problem liegt nicht in der Geschichte, sondern in der Art, wie Tolkien sie erzählt. „Das Silmarillion“ ist kein klassischer Abenteuerroman wie „Der Hobbit“. Das Buch enthält Mythen, Schöpfungsgeschichten, Stammbäume, Völker, Königreiche und zahlreiche Namen, die für Neueinsteiger zunächst schwer auseinanderzuhalten sind. 

Die Handlung reicht bis ins Erste Zeitalter zurück und erzählt unter anderem von den Silmarilli, den Elben und dem Kampf gegen Morgoth. Wer ohne Vorkenntnisse direkt mit diesem Buch beginnt, kann deshalb schnell den Überblick verlieren. Was chronologisch am Anfang steht, ist literarisch also nicht unbedingt der beste Einstieg. Genau hier liegt das große Reihenfolge-Paradox bei Tolkien: Das älteste Kapitel der Weltgeschichte ist nicht automatisch das beste erste Kapitel für dich als Leser*in.

Was ist mit „Nachrichten aus Mittelerde“?

„Nachrichten aus Mittelerde“ erschien 1980 und wurde von Christopher Tolkien aus verschiedenen unvollendeten Texten seines Vaters zusammengestellt. Der englische Originaltitel „Unfinished Tales“ macht bereits deutlich, worum es geht: Hier findest du keine durchgehend erzählte Fortsetzung der bekannten Romane. Stattdessen gibt es zusätzliche Geschichten und Varianten zu Figuren und Ereignissen aus verschiedenen Epochen. Dazu gehören unter anderem Texte über Númenor, Galadriel, die Istari sowie die Geschichte von Gondor und Rohan. Für Tolkien-Neulinge ist der Band deshalb eher etwas für später. Wer nach „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ noch mehr über Mittelerde wissen möchte, bekommt hier jede Menge zusätzliches Material.

Und welche Reihenfolge ist nun die richtige?

Tolkiens Bücher werden zeitlos und beliebt bleiben.
Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Du liest Tolkien zum ersten Mal? Dann nimm „Der Hobbit“ und anschließend „Der Herr der Ringe“. So bekommst du den zugänglichsten Einstieg und kannst dich langsam in die komplexere Welt hineinfinden.

Du möchtest Tolkien so erleben, wie seine wichtigsten Werke veröffentlicht wurden? Dann bleib bei der Erscheinungsreihenfolge und lies „Das Silmarillion“ erst nach „Der Herr der Ringe“.

Du kennst Mittelerde bereits gut und möchtest die Geschichte der Welt verstehen? Dann lohnt sich die chronologische Variante mit „Das Silmarillion“ am Anfang.

Unsere Empfehlung ist deshalb eindeutig: Für den ersten Durchgang nicht chronologisch lesen! Die Weltgeschichte darf ruhig ein Geheimnis bleiben, das sich nach und nach entfaltet. Genau das macht den späteren Blick zurück auf „Das Silmarillion“ umso spannender.

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