Diese Bücher solltest du im Sommer 2026 lesen – bevor die Buchverfilmungen kommen
Die Buchverfilmungen des Sommers 2026 haben es in sich. Und es gibt gute Gründe, die Bücher vor dem Film oder der Serie zu lesen.
Manchmal fragt man sich, was besser ist: Erst den Film zu sehen oder erst das Buch zu lesen. Eine schwierige Frage. Wir haben einmal die wichtigsten Buchverfilmungen zwischen Juli und September 2026 zusammengestellt – und zwar aus der Perspektive, die uns am Herzen liegt: der des Buches! Für jeden Titel verraten wir dir, worum es geht und warum sich die Lektüre vor dem Film lohnt. Eines vorweg: Natürlich kann man jeden dieser Filme auch ohne Buchkenntnis genießen. Aber wer vorher liest, geht mit einem anderen Blick rein hat am Ende mehr von beidem. Hier kommen die wichtigsten Buchverfilmungen des Sommers.
Nancy Springer: Die „Enola Holmes“-Reihe (Film: „Enola Holmes 3“)
Das Buch: Nancy Springers 2006 gestartete Romanreihe um Enola Holmes erzählt von Sherlocks und Mycrofts jüngerer Schwester, die im viktorianischen London mit Verstand und Eigensinn Fälle löst. Die Bücher sind als Jugendromane angelegt, aber auch für Erwachsene ein kurzweiliges Vergnügen. Die Reihe umfasst bisher neun Bände, die Filme bedienen sich frei aus dem Material.
Warum vorher lesen? Die bisherigen Filme haben die Buchvorlagen eher als Sprungbrett genutzt als sie getreu nacherzählt. Wer die Bücher gelesen hat, erkennt, was die Drehbuchautoren verändert haben und kann die Figur Enola in ihrer ursprünglichen Form erleben: weniger Action-Heldin, mehr clevere Beobachterin. Außerdem sind die Bücher so kurz, dass man locker mehrere Bände vor dem Filmstart schafft. Es gibt alle Geschichten auch als Graphic Novels, so geht das Lesen noch schneller und man kann auch die gestalterischen Welten vergleichen.
Fußnote: Himesh Patel, der hier den Dr. Watson verkörpert, ist in diesem Sommer noch in einer weiteren großen Buchverfilmung zu sehen, nämlich in „Die Odyssee“.
Verfilmungs-Countdown: 1. Juli 2026 auf Netflix
Laura Ingalls Wilder: „Laura in der Prärie“ (Serie: „Unsere kleine Farm“)
Das Buch: Laura Ingalls Wilders „Little House“-Reihe (1932-43) schildert das Leben einer Pionierfamilie im amerikanischen Mittleren Westen der 1870er Jahre. Die Bücher basieren auf Wilders eigener Kindheit. Planwagenfahrten, harte Winter, Ernteausfälle, aber auch die kleinen Freuden eines Lebens, das ganz auf Familie und Natur gebaut ist. Die Reihe umfasst insgesamt acht Bände, am populärsten ist allerdings der zweite Teil „Laura in der Prärie“.
Warum vorher lesen? Jede*r kennt die Familienserie „Unsere kleine Farm“ aus den 1970er Jahren und das Bild der Familie Ingalls ist bei uns vor allem durch sie geprägt, obwohl sie sich eher lose an den Büchern orientierte. Netflix beschreibt das Reboot als „teils optimistisches Familiendrama, teils dramatische Überlebensgeschichte und teils Einblick in die Ursprünge des US-amerikanischen Westens“. Wer die Bücher kennt, wird besser einschätzen können, wie nah die neue Serie an den Originaltexten bleibt und wo sie eigene Wege geht. Außerdem liest man die Bücher mit ganz anderen Augen, wenn man weiß, dass fast alles wirklich passiert ist.
Fußnote: Die Bücher entstanden auf Drängen von Laura Ingalls' Tochter Rose, die Journalistin war und als Lektorin fungierte.
Verfilmungs-Countdown: 9. Juli 2026 auf Netflix (alle Folgen der 1. Staffel auf einmal)
Virginia Woolf: „Nacht und Tag“ (Film: „Virginia Woolf’s Night & Day“)
Das Buch: Virginia Woolfs früher Roman (1919) erzählt von Katharine Hilbery, Enkelin eines berühmten Dichters, die zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Sehnsüchten navigiert. Im Zentrum stehen zwei Paare, deren Liebes- und Lebensentwürfe sich vor dem Hintergrund des intellektuellen Londons der Edwardianischen Ära kreuzen. Der Roman ist konventioneller erzählt als Woolfs spätere Werke, aber bereits durchzogen von ihrer feinen Beobachtungsgabe für das Unausgesprochene zwischen Menschen.
Warum vorher lesen? „Nacht und Tag“ ist vielleicht Woolfs am wenigsten gelesener Roman und genau das macht die Lektüre vor dem Film so reizvoll. Man entdeckt eine Autorin, bevor sie zur Ikone wurde. Der Film wird den umfangreichen Stoff zwangsläufig verdichten müssen. Wer das Buch kennt, erlebt die Figuren in ihrer vollen Komplexität und kann beurteilen, was die Adaption bewahrt und was sie opfert.
Fußnote: Die englische Komödie ist gespickt mit britischen Kinostars – und Elyas M’Barek in der Hauptrolle des Ralph Deham.
Verfilmungs-Countdown: ab 9. Juli 2026 im Kino
Homer: „Die Odyssee“
Das Buch: Homers Epos (ca. 8. Jh. v. Chr.) erzählt die zehnjährige Irrfahrt des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg: Von Zyklopen, Sirenen, die Unterwelt, Kalypsos Insel und am Ende von der Heimkehr nach Ithaka. Es ist eine der ältesten und einflussreichsten Geschichten der Menschheit, und es gibt sie in zahlreichen Übersetzungen von der klassischen Versform (Voß) bis zu modernen Prosa-Fassungen.
Warum vorher lesen? Christopher Nolans Verfilmung wird ein visuelles Spektakel, aber die Odyssee lebt im Original von ihrer erzählerischen Struktur: den Zeitsprüngen, den eingebetteten Erzählungen, der Spannung zwischen Abenteuer und Sehnsucht nach Heimat. Ein Film kann die Bildgewalt liefern, aber nicht die Stimme des Erzählers. Wer vorher liest, geht mit einem inneren Maßstab ins Kino.
Fußnote: Wer einen frischeren Zugang zu dem klassischen Stoff sucht, ist bei der unterhaltsamen Neuerzählung von Stephen Fry bestens beraten.
Verfilmungs-Countdown: ab 16. Juli 2026 im Kino
Peter Heller: „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“
Das Buch: Peter Hellers Roman (Original: „The Dog Stars", 2012) erzählt von Hig, einem Piloten, der nach einer Pandemie mit seinem Hund und dem waffenbesessenen Nachbarn Bangley in einer Art Zweckgemeinschaft überlebt. Eines Tages empfängt er ein Funksignal und beschließt, seine sichere Welt zu verlassen. Der Roman ist in einem ungewöhnlichen, fast lyrischen Stil geschrieben: kurze Sätze, Gedankenfetzen, eine Sprache, die selbst brüchig wirkt wie die Welt, die sie beschreibt.
Warum vorher lesen? Hellers besonderer Erzählstil ist das, was dieses Buch von anderen Postapokalypse-Geschichten unterscheidet. Der Film von Ridley Scott wird die visuellen Landschaften liefern, aber die innere Landschaft von Higs Gedanken, seine fragmentarische Art zu denken und zu fühlen, kann nur das Buch vermitteln. Wer beides kennt, erlebt zwei sehr unterschiedliche Versionen derselben Geschichte.
Fußnote: Hauptdarsteller Jacob Elordi ist zur Zeit eine Art ungekrönter König der großen Buchverfilmungen. So war er u.a. in „Frankenstein“ und „Wuthering Heights“ zu sehen.
Verfilmungs-Countdown: ab 27. August 2026 im Kino
Jane Austen: „Sinn und Sinnlichkeit“
Das Buch: Jane Austens Erstlingswerk (Originaltitel: „Sense ans Sensibility“, 1811) erzählt von den Schwestern Elinor und Marianne Dashwood, die nach dem Tod ihres Vaters in bescheidene Verhältnisse geraten. Elinor verkörpert Vernunft und Zurückhaltung, Marianne Leidenschaft und Gefühl und beide müssen lernen, dass weder das eine noch das andere allein zum Glück führt.
Warum vorher lesen? Austen-Verfilmungen gibt es viele und jede neue Adaption muss sich an den Vorgängern messen. Wer das Buch kennt, hat den besten Maßstab: Austens Ironie, ihre präzisen Dialoge und die subtile Gesellschaftskritik gehen in Verfilmungen oft verloren oder werden vereinfacht. Außerdem ist der Roman überraschend witzig – mehr, als viele Verfilmungen vermuten lassen.
Fußnote: Den Roman gibt es im Deutschen unter mehreren Namen. Neben „Sinn und Sinnlichkeit“ auch als „Verstand und Gefühl“ und „Vernunft und Gefühl“.
Verfilmungs-Countdown: ab 24. September 2026 im Kino
Erich Kästner: „Emil und die Detektive“
Das Buch: Erich Kästners Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1929 erzählt von Emil Tischbein, der auf einer Zugfahrt bestohlen wird und mit einer Bande Berliner Kinder den Dieb durch die Großstadt verfolgt. Das Buch ist kurz, temporeich und erstaunlich modern in seinem Vertrauen auf kindliche Eigeninitiative. Kästners trockener Humor und sein Gespür für soziale Unterschiede machen den Roman auch für Erwachsene lesenswert.
Warum vorher lesen? „Emil und die Detektive“ wurde bereits mehrfach verfilmt (1931, 1954, 2001) und jede Version spiegelt ihre Zeit. Die Neuverfilmung 2026 wird den Stoff erneut ins Heute übersetzen. Wer das Original kennt, erkennt, was zeitlos ist und was sich verändert hat.
Fußnote: Um Verwechslungen mit diesem Emil zu vermeiden, wurde Astrid Lindgrens „Emil aus Lönneberga“ in Deutschland zu Michel umgetauft.
Verfilmungs-Countdown: ab 24. September 2026 im Kino
Hier ist ein Überblick über alle Buchverfilmungen 2026. Es sind noch viele mehr.
Und noch ein Lesetipp: Das sind die besten Romane des 19. Jahrhunderts.
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