Thalia Storyteller Award und Story.One – was steckt hinter den verlockenden Angeboten?
Die Plattform Story.One verspricht den vielleicht leichtesten Weg zum eigenen Buch und Bestseller. Wir haben es ausprobiert – alle Infos gibt es hier.
Vielleicht hast du schonmal von Story.One gehört oder dem Thalia Storyteller Award? Das österreichische Unternehmen Story.One verspricht, dass du ein eigenes Buch auf dem einfachsten Weg erstellen und in den Handel bringen kannst. Der Anbieter kooperiert dabei mit dem Buchhandels-Riesen Thalia. In ausgewählten Shops gibt es die Bücher zu kaufen, außerdem richten beide zusammen den Thalia Storyteller Award und den Young Storyteller Award aus, die Tausende Autor*innen ansprechen und anspornen.
Doch was verbirgt sich hinter dem Konzept – ist es wirklich so einfach und fair wie angekündigt oder verbergen sich dahinter versteckte Kosten und Probleme, wie manche Nutzer*innen im Internet anmerken?
Wir haben die Entstehung eines Buches für den Award vom ersten Moment an begleitet. Das sind die Erfahrungen und das Fazit.
So funktioniert Story.One
Beim Anbieter Story.One kann jede*r ein Buch veröffentlichen, ohne nähere Kenntnis von Formatierungen, Layouts und anderen Faktoren zu haben. Es ist quasi Selfpublishing leicht gemacht. Auf der relativ komfortablen und intuitiven Oberfläche gibt man seinen Text ein, die Formatierung erledigt das Programm.
Das Konzept hat aber Einschränkungen: Story.One möchte gewissermaßen das TikTok der Buchwelt sein – thematisch hat man alle Möglichkeiten, aber der Umfang ist begrenzt. Die Bücher bestehen aus 12-17 Kapiteln von jeweils maximal drei Textseiten! Das sind also ungefähr 300-500 Wörter pro Kapitel, was nicht sehr viel ist. Das ist aber Einschränkung und Chance zugleich, denn so kann man viele kleine Ideen unterbringen, ohne gleich episch werden zu müssen. Und man lernt die Kunst des Kürzens, was Texten bisweilen guttun kann.
Zusätzlich verfügt die Plattform über eine Community. Man kann seine einzelnen Storys oder die Bücher dort auch online veröffentlichen und kommentieren lassen. So kann wertvoller Austausch mit Input und Anregungen zu den Geschichten entstehen.
Ein besonderer Clou: Du kannst auch ein Buch mit anderen zusammen erstellen. Die Storys lassen sich aus mehreren Accounts in einem Buchprojekt zusammenlegen.
Der Thalia Storyteller Award und der Young Storyteller Award 2026
Bevor wir zum Kern von Story.one kommen, müssen wir noch etwas zu den beiden Awards sagen, die die Plattform zusammen mit der Buchhandelskette Thalia durchgeführt hat. Der Thalia Storyteller Award und das Pendant für junge Autor*innen, der Young Storyteller Award, zogen Tausende Hobby-Schriftsteller*innen an. Bei beiden Awards wurden 2024 jeweils über 3.000 Bücher eingereicht!
Die Beiträge wurden von einer Jury nach unterschiedlichen Kriterien beurteilt und die besten zehn wurden am Ende in den Thalia Flagship Store in Düsseldorf geladen und ausgezeichnet. Die Bücher waren dann in allen Filialen mit Story.One-Ecke ausgelegt und es gab ein Promopaket zu gewinnen. Beim Young Storyteller Award flossen 2024 sogar gewaltige Preisgelder von insgesamt 20.000 Euro!
Es ist allerdings zu vermuten, dass die meisten Beiträge nur knapp gesichtet wurden – bei der Menge kein Wunder. Laut Angabe fallen 80 % gleich zu Beginn durchs Raster, weil sie die Wettbewerbskriterien nicht erfüllen. Die Auslese geschah relativ schnell und es wurde auch angedeutet, dass nicht alles in Gänze gelesen wird.
Im Jahr 2026 sind die beiden beliebten Schreibwettbewerbe nicht mehr ausgeschrieben und ein großer Bonus-Nutzwert der Plattform Story.one fällt dadurch weg. Ob die Awards in Zukunft wieder stattfinden werden, ist unbekannt. Allerdings gibt es Mutmaßungen, woran das liegen könnte und was der wirkliche Hintergrund für die Durchführung der Awards war. Dazu kommen wir später.
Das fertige Buch
Zurück zum eigentlichen Veröffentlichen: Hast du ein Buch auf Story.one fertiggestellt, kannst du es entweder online in der Community veröffentlichen oder direkt als Buch in den Handel bringen. Wählst du diese Option, wird dein Buch mit einer ISBN versehen und ist theoretisch in allen Online-Shops und Buchhandlungen bestellbar – auch dein Buchladen oder Presseshop um die Ecke kann es direkt ordern. Nach ein paar Tagen kannst du dein Werk automatisch bei Thalia, Amazon & Co. finden – es ist dann ganz offiziell ein richtiges, lieferbares Buch!
Grundsätzlich ist das für dich sogar erstmal kostenfrei. Tatsächlich ist es aber ein bisschen wie bei Easyjet oder RyanAir: Story.One bietet allerlei kostenpflichtige Zusatzoptionen, die natürlich schön sind, sich aber auch läppern können. Dazu kommen wir später noch.
Das Buch wird bei Bestellung im „Print on Demand“-Verfahren hergestellt, also gibt es keinen Vorrat, sondern es wird nach Bedarf gedruckt.
Wie ein Buch entsteht
Der Prozess ist bei Story.One denkbar einfach. Wenn man seinen Text geschrieben hat – oder auch erstmal die ersten Drei-Seiten-Häppchen – erstellt man jedes Kapitel als Story im Editor auf der Website. Durch eine Vorschaufunktion sieht man, ob man noch im Platzlimit liegt oder eventuell etwas kürzen muss. Es gibt ein paar grundlegende Formatierungsoptionen, große Gestaltungsfreiheit gibt es aber nicht – Schriftart, Größe, etc. sind festgelegt. Es ist besser, beim Text ein wenig Platz-Puffer zu lassen, im finalen Druck könnte es nochmal minimale Verschiebungen geben, die einen zu Anpassungen zwingen können. Bilder lassen sich nur auf der ersten Seite einfügen, die ist extra dafür gedacht. Satz und Worttrennung passieren automatisch, gib also keine getrennten Wörter ein!
Die Storys lassen sich online einzeln veröffentlichen und dann auf Wunsch zu einem Buch bündeln.
Das Buch erstellen
Hat man seine Kapitel bzw. Storys zusammen, kann man ein Buchprojekt anlegen. Dort gibt man einen Titel ein und kann aus einer Reihe Stockphotos ein kostenloses Coverbild wählen. Wenn man es individueller haben möchte, wird es schnell teuer: Ein eigens Coverbild hochladen kostet 40 Euro, eine Farbe für die Rückseite auswählen nochmal zehn Euro und eine andere Titelvignette als das Standard-Modell schlägt mit 30 Euro zu Buche.
Zusätzlich muss man eine Autoreninfo, einen Klappentext und eine Widmung anlegen. Die Kapitel der Geschichte fügt man aus seinen Storys hinzu und kann sie noch in der richtigen Reihenfolge sortieren.
Das Buch wird offiziell
Ist man mit seinem Werk zufrieden und hat noch einen finalen Check in der Druckvorschau gemacht, kann man bestellen. Hier gibt es wieder verschiedene Optionen mit bestimmten Paketen: Nur das Buch in Auftrag geben, sieben Exemplare mit Rabatt bestellen, 50 Exemplare, 300 Exemplare. Wenn man tiefer in die Tasche greift, ist auch ein Lektorat zubuchbar – mit bis zu 600 € ist das aber eher ein Luxus.
Ist die Bestellung bestätigt, geht das Buch in die Prüfung, was etwa ein bis zwei Tage dauert. Dann werden die gewünschten Exemplare hergestellt, die ISBN und die Einstellung in die zahlreichen Online-Shops beauftragt. Nach etwa zwei Wochen ist alles in Sack und Tüten und du hältst dein Werk in den Händen und kannst ordentlich die Werbetrommel rühren. Das musst du auch – wie üblich beim Self-Publishing ist auch hier keine Promotion inkludiert. Einen Blick in die Gestaltung eines Buches kannst du hier werfen.
So viel kostet dein Buch im Handel
Der Verkaufspreis für alle Bücher von Story.One ist auf 18,00 Euro festgelegt. Angesichts des geringen Umfangs von maximal 80 Seiten ist das relativ teuer und der Preis wird für viele potenzielle Käufer*innen abschreckend sein. Andererseits sind es hochwertig hergestellte Hardcover-Bücher und man bezahlt auch die bequeme Erstellung und Verarbeitung mit. Ab dem zehnten verkauften Exemplar bekommt man als Autor*in 10 %, also 1,80 Euro pro verkauftem Buch. Sollte es sich in großen Stückzahlen (also über 300 Exemplare) verkaufen, steigt die Provision und das Buch wird in ausgewählten Thalia-Filialen ausgelegt! Diese Schwelle ist allerdings für unbekannte Selfpublisher*innen nur schwer zu knacken.
Wenn dir der Einzelpreis zu hoch ist, solltest du drüber nachdenken, andere Anbieter wie bod.de oder epubli zu wählen, dort hat man günstigere Möglichkeiten des Drucks, man muss das Buch aber komplett selbst gestalten, was ein paar Kenntnisse erfordert, wenn es schön werden soll.
Kritik an Story.One
Im Internet gibt es ein paar Stellen, an denen Kritik an Story.One und am Storyteller Award geäußert wird. Dabei kommen beispielsweise die Zusatzkosten zur Sprache, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, also etwa für die Covergestaltung oder wenn man sein Buch wieder aus der Verteilung nehmen will (dann fallen 25 Euro an).
Die Druckqualität wird bemängelt – es kann etwa sein, dass die Bilder dunkler sind als die eigentliche Bilddatei. Darauf wird auf der Plattform allerdings auch hingewiesen und im von uns begleiteten Versuch gab es dahingehend keine Probleme.
Was tatsächlich etwas schwierig sein kann, ist, dass die Druckvorschau nicht unbedingt das endgültige Resultat ausgibt – es kann im finalen Buch noch zu Verschiebungen und Worttrennungen kommen. Ist man ganz knapp an der Grenze der drei erlaubten Kapitelseiten, ist ggf. noch etwas Tüftelei im Text gefragt.
An einer Stelle wird auch kritisiert, dass der Storyteller Award, angelockt durch die große Marke Thalia, nur der Akquise von Autor*innen für Story.One dient. Das mag sicherlich ein Aspekt sein, aber bei welchem Wettbewerb ist das nicht der Fall? Problematisch ist das nicht. Man weiß, was man bekommt oder bekommen kann. Ein anderer Kritikpunkt ist möglicherweise relevanter und hängt mit der neuen KI-Anwendung der Plattform zusammen.
Story.one und die KI
Nach der Durchführung der Storyteller-Awards 2025 hat die Plattform ein neues Feature ausgerollt: Die Texterstellung per KI. Damit kann jede*r sich sein „eigenes“ Buch generieren lassen – anhand einiger Randinformationen, Skripte, Präsentationen, Audiodateien etc. Der Fokus liegt hier auf Sachbüchern. Ab 50 € kann man Credits kaufen, um sie für Texterstellung und Exposés einzusetzen. Hinzu kommen die sonstigen Kosten für die Erstellung des eigentlichen Buches. Das heißt im Umkehrschluss: Jede*r kann sich ein Buch schreiben lassen, womöglich auch auf Basis nicht-eigener Inhalte, wenn er diese zum Füttern der KI benutzt. Warum man das nutzen sollte, ist streitbar: ist nicht gerade der Schreibprozess selbst das Spannendste auf dem Weg zum eigenen Buch? Und welchen Wert haben unzählige KI-generierte „Fachbücher“?
Andererseits: Bietet diese Option die Chance, vorhandenes Fachwissen, gewonnen aus Interviews, Abhandlungen, etc., nutzerfreundlich aufzubereiten und bereitzustellen, wenn man selbst einfach nicht gut schreiben kann? Das sagt zumindest Story.one selbst: „Sie [die KI] verarbeitet ausschließlich den Content (zB einen Report, ein Interview, Podcast etc), den Menschen hochladen, und strukturiert ihn klar und nachvollziehbar. […] Unsere Tools helfen nur beim Ordnen – das Menschliche bleibt immer der Kern.“
Eine weitere Frage steht im Raum, die das Ganze in kritische Bereiche kippt: In den AGB der Plattform heißt es nüchtern: „Der Anbieter hat das Recht, abgedruckte Texte und / oder Grafiken für KI-Modelle zu verwenden.“ Durch die Storyteller-Awards der vergangenen Jahre wurden zehntausende Bücher verschiedenster Autor*innen bereitgestellt, die wahrscheinlich das neue KI-Modell trainiert haben. Ein einzigartiger Datenkorpus, der gerade die speziellen Bedürfnisse der Plattform bedient. Wurden die Storyteller-Awards primär mit dem Ziel durchgeführt, die KI zu füttern? Dass die Veranstaltungen nicht fortgesetzt werden, kann diesen Schluss nahelegen und führt zu Diskussionen und Kritik.
Fazit
Auf den ersten Blick könnte Story.One mehr versprechen, als es hält und den Eindruck vermitteln, dass man mit einer Veröffentlichung über die Plattform automatisch den Draht zu Thalia hat. Sobald einem aber klar ist, dass es sich um eine neuartigere Form des Selfpublishing handelt und man, wie bei anderen Anbietern auch, den Verkauf und die Promotion selbst in die Hand nehmen muss, erkennt man die Chancen und Grenzen der Plattform. Es ist eben kein Verlag, der Autor*innen rundum betreut. Ist man bereit, größere Summen in die Hand zu nehmen, kann man aber auch hier Promo und andere Dienstleistungen hinzukaufen. Ob man das möchte, muss jede*r selbst entscheiden.
Hier sind die Vor- und Nachteile auf einen Blick:
Positiv
- Intuitive Bedienung
- Professionelles Buchdesign ohne Kenntnisse
- In wenigen Schritten kommt man zum eigenen Buch im Handel
- Das Format fördert die Beschränkung und ist damit gutes Schreibtraining
- Im Zuge der Awards bekommt man die Veröffentlichung kostenfrei
- Man kann in der Community direkt Feedback zu seinen Storys bekommen
- Man kann mit anderen an einem gemeinsamen Buch arbeiten
- Sachbücher lassen sich auch ohne Schreibfertigkeiten aus eigenem Material erstellen
Negativ
- Einzelverkaufspreis recht hoch
- Die Einschränkungen des Formates lassen vieles nicht zu
- Kosten für ein individuelleres Design summieren sich schnell
- Weitere Kosten, u.a. um das Buch wieder zurückzuziehen oder bei nachträglichen Änderungen im Text
- Durch das Einheitsdesign können die Bücher wie von der Stange wirken
- Manche Formatierungen lassen sich nicht beeinflussen (Worttrennung z.B.)
- Durch die KI-Optionen kann sehr leicht viel nutzloser Content entstehen
- Das eigene Werk dient auch der Fütterung des KI-Modells
Story.One ist ein gutes Format, um sich im Schreiben zu üben und sein eigenes Buch in der Hand zu halten. Dabei sollte man aber – wie immer beim Selfpublishing – realistische Erwartungen haben, dann hat man durchaus seine Freude. Die KI-Optionen rücken den eigentlichen Kreativ-Aspekt in den Hintergrund.
Wir möchten wissen: Würdest du ein Buch kaufen, wenn du wüsstest, dass es KI-unterstützt geschrieben wurde?
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