Die Reihenfolge bei Sherlock Holmes: So liest du die Geschichten richtig
Du möchtest in die Welt des Meisterdetektivs Sherlock Holmes eintauchen? Wir zeigen dir den besten Einstieg und die richtige Lesereihenfolge.
Eigentlich hat man Glück, denn jede der 56 Kurzgeschichten und vier Romane um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes steht für sich und kann ohne Vorkenntnisse in beliebiger Reihenfolge gelesen werden. Sir Arthur Conan Doyle erzählte die Geschichten nicht strikt chronologisch und ließ seinen Meisterdetektiv zwischenzeitlich sogar sterben, bevor er ihn wenige Jahre später wieder zurückbrachte. Dennoch steigert es den Lesegenuss, wenn man chronologisch vorgeht, denn es wird immer wieder Bezug auf andere Fälle genommen und die Biografien von Holmes und Watson entwickeln sich stetig weiter.
Sherlock Holmes: Die Idee hinter dem Meisterdetektiv
Sir Arthur Conan Doyle ließ seine Erfahrungen als Arzt in die Figur Sherlock Holmes einfließen. Der Detektiv löst Fälle mithilfe von Beobachtung, Logik und wissenschaftlichen Methoden – ein damals ungewöhnlicher Ansatz. Inspiriert wurde Doyle unter anderem von den Werken Edgar Allan Poes und Émile Gaboriaus.
Sherlock Holmes lebt in der Londoner Baker Street und übernimmt als Privatdetektiv die unterschiedlichsten Fälle. Neben Verbrechen wie Mord oder Diebstahl stehen oft auch menschliche Konflikte im Mittelpunkt. Die Geschichten erschienen über einen langen Zeitraum: zwischen 1887 und 1927.
Warum Arthur Conan Doyle Sherlock sterben ließ
Arthur Conan Doyle ließ Sherlock Holmes 1893 bewusst „sterben“, weil er sich von der Figur lösen wollte. Er empfand die Holmes-Geschichten zunehmend als Belastung. Sie waren zwar extrem erfolgreich, nahmen aber viel Zeit in Anspruch und lenkten ihn von anderen literarischen Projekten ab, die er selbst als „ernsthafter“ betrachtete.
Mit der Kurzgeschichte „Das letzte Problem“ ließ er Holmes im Kampf gegen Professor Moriarty die Reichenbachfälle hinabstürzen. Doyle hoffte, damit die Reihe endgültig zu beenden, unterschätzte aber die Reaktion der Leser*innen. Diese schrieben Briefe, protestierten und kündigten sogar ihre Abonnements des „Strand Magazine“, in dem die Geschichten erschienen. Der Druck wurde so groß, dass Doyle die Figur 1903 in der Kurzgeschichte „Das leere Haus“ wieder zurückbrachte.
Danach entstanden weitere Fälle, in denen vor allem das Zusammenspiel zwischen Holmes und Watson im Mittelpunkt steht und oft auch humorvolle Dialoge eingebaut sind. Meist erzählt Dr. Watson die Geschichten aus seiner Perspektive. Das sorgt für Nähe und Verständlichkeit, während Holmes’ logische Schlussfolgerungen die typischen Aha-Momente bringen.
Die Reihenfolge der Veröffentlichung
Diese Reihenfolge zeigt dir, wie die Romane und Kurzgeschichten ursprünglich erschienen sind. Sie ist besonders spannend, wenn du nachvollziehen willst, wie die Figuren Sherlock Holmes und Dr. Watson über die Jahre gewachsen sind und früher einen regelrechten Hype auslösten.
In dieser Reihenfolge erschienen die Sherlock-Holmes-Bände von Sir Arthur Conan Doyle:
- Eine Studie in Scharlachrot (Roman, 1887) Hier lernen sich Holmes und Watson kennen und gründen ihre berühmte Männer-WG.
- Das Zeichen der Vier (Roman, 1890)
- Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Erzählungen, 1892)
- Die Memoiren des Sherlock Holmes (Erzählungen, 1893)
- Der Hund von Baskerville (Roman, 1902)
- Die Rückkehr des Sherlock Holmes (Erzählungen, 1904)
- Das Tal der Angst (Roman, 1915)
- Seine Abschiedsvorstellung (Erzählungen, 1917)
- Sherlock Holmes’ Buch der Fälle (Erzählungen, 1927)
Kurzgeschichten erleichtern den Zugang zur Figur
Die Kurzgeschichten zeigen dir Holmes’ typische Arbeitsweise in vielen kleinen, abgeschlossenen Fällen. Du bekommst also schneller ein Gefühl dafür, wie er denkt, wie er Hinweise kombiniert und wie das Zusammenspiel mit Watson funktioniert. Außerdem sind die frühen Kurzgeschichten besonders prägend für die Figur: Sie haben Holmes überhaupt erst berühmt gemacht und zeigen seinen klassischen Stil in Reinform.
Die Kurzgeschichten im Überblick
Es gibt insgesamt fünf Sammlungen mit Kurzgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle, in denen sich alles um die Abenteuer von Sherlock Holmes und Dr. Watson dreht.
Übrigens: Watson fungiert stets als Erzähler, allerdings mit vier Ausnahmen, bei denen der Detektiv selbst zu Wort kommt! Die sind in den folgenden Auflistungen mit (SH) markiert.
Band 3: „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“: Der Sammelband aus dem Jahr 1892 enthält zwölf Kurzgeschichten die zwischen 1891 und 1892 erschienen, darunter:
- Ein Skandal in Böhmen
- Die Liga der Rothaarigen
- Eine Frage der Identität
- Das Geheimnis vom Boscombe-Tal
- Die fünf Orangenkerne
- Der Mann mit der entstellten Lippe
- Der blaue Karfunkel
- Das gesprenkelte Band
- Der Daumen des Ingenieurs
- Der adlige Junggeselle
- Die Beryll-Krone
- Das Haus bei den Blutbuchen
Band 4: „Die Memoiren des Sherlock Holmes“: Der Sammelband umfasst elf Detektivfälle, entstanden zwischen 1892 und 1893, darunter:
- Silver Blaze
- Das gelbe Gesicht
- Der Angestellte des Börsenmaklers
- Die Gloria Scott (SH)
- Das Musgrave-Ritual (SH)
- Die Junker von Reigate
- Der verkrüppelte Mann
- Der niedergelassene Patient
- Der griechische Dolmetscher
- Der Flottenvertrag
- Das letzte Problem
Achtung: Die Erzählung „Das letzte Problem“ ist der wichtigste Wendepunkt der gesamten Reihe: Holmes „stirbt“ am Reichenbachfall und kehrt in „Das leere Haus“ (Band 6: Die Rückkehr des Sherlock Holmes) zurück. Diese beiden Geschichten solltest du hintereinander lesen – sonst verliert „Das leere Haus“ seine emotionale Wirkung.
Band 6: „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“: Zwischen 1903 und 1904 entstanden elf weitere Kurzgeschichten, in denen Sir Arthur Conan Doyle Holmes zum Leben erweckte:
- Das leere Haus
- Der Baumeister aus Norwood
- Die tanzenden Männchen
- Die einsame Radfahrerin
- Die Abteischule
- Der Schwarze Peter
- Charles Augustus Milverton
- Die sechs Napoleons
- Die drei Studenten
- Der goldene Kneifer
- Der verschollene Three-Quarter
- Abbey Grange
Band 8: Seine Abschiedsvorstellung: Zwischen 1908 und 1913 entstanden acht weitere Erzählungen, die in diesem Sammelband veröffentlicht wurden:
- Wisteria Lodge
- Die Pappschachtel
- Der Rote Kreis
- Die Bruce-Partington-Pläne
- Der Detektiv auf dem Sterbebett
- Das Verschwinden der Lady Frances Carfax
- Der Teufelsfuß
- Seine Abschiedsvorstellung
Band 9: „Sherlock Holmes’ Buch der Fälle“: Zwischen 1921 und 1927 entstanden zwölf weitere spannende Detektivgeschichten:
- Der illustre Klient
- Der erbleichte Soldat (SH)
- Der Mazarin-Stein
- Die Drei Giebel
- Der Vampir von Sussex
- Die drei Garridebs
- Das Rätsel der Thor-Brücke
- Der Mann mit dem geduckten Gang
- Die Löwenmähne (SH)
- Die verschleierte Mieterin
- Shoscombe Old Place
Die chronologische Reihenfolge der Handlung
Diese Reihenfolge sortiert die Bände nach der inneren Zeitlinie – also so, wie Holmes’ Leben eigentlich „passiert“. Das ist besonders hilfreich, wenn du die Beziehung zwischen Holmes und Watson logisch entwickeln sehen willst. Allerdings wird in Fan-Foren wie auf Reddit viel darüber diskutiert, welche eine Reihenfolge denn nun die richtige ist, da die zeitliche Einordnung nicht immer eindeutig ist. Und die Sammelbände in sich sind auch nicht chronologisch, da Watson immer wieder auf alte Fälle zurückgreift. Es kann also nur eine Annäherung geben.
Ein Vorschlag für eine sinnvolle chronologische Reihenfolge:
- Eine Studie in Scharlachrot
- Das Zeichen der Vier
- Die Abenteuer des Sherlock Holmes
- Der Hund von Baskerville
- Das Tal der Angst
- Die Memoiren des Sherlock Holmes
- Die Rückkehr des Sherlock Holmes
- Sherlock Holmes’ Buch der Fälle
- Seine Abschiedsvorstellung
Die wichtigsten Bände für Einsteiger
Wenn du nur die wichtigsten Höhepunkte mitnehmen möchtest, sind diese Bücher genau das Richtige für dich:
- Band 1: „Eine Studie in Scharlachrot“ (1887) – der erste Fall, hier lernst du Holmes und Watson kennen.
- Band 2: „Das Zeichen der Vier“ (1890) – ein klassischer Fall mit stärkerer Dynamik zwischen den Figuren.
- Band 3: „Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ (1892) – Kurzgeschichten, die Holmes berühmt machten.
- Der Hund von Baskerville (1902) – der wohl berühmteste Fall und die Chance für Watson, im Rampenlicht zu stehen.
Sherlock Holmes: Zeitlos und doch immer wieder neu
Sherlock Holmes lässt sich auf verschiedene Weise entdecken – ob nach Veröffentlichungsreihenfolge, chronologischer Einordnung oder anhand ausgewählter Höhepunkte. Entscheidend ist weniger die perfekte Reihenfolge als vielmehr der Blick auf die Entwicklung der Figur und ihre bekanntesten Fälle. Ergänzend dazu sorgen zahlreiche Verfilmungen und moderne Serienadaptionen immer wieder dafür, dass der Reiz des Miträtselns neu entfacht wird.
Wenn du dich mit Holmes und Watson auskennst, beweise es – in unserem Sherlock-Holmes-Quiz.