Zu alt für den Grüffelo? Wie das neue Buch bei einer 9- und einer 13-Jährigen ankommt

Am 24. September 2026 erschien das Bilderbuch „Die Grüffelo-Oma“. Wie kommt es bei Kindern an, die eigentlich fast zu alt dafür sind, aber die Reihe lieben?

Über 20 Jahre hat es gedauert, bis ein dritter Teil des mittlerweile als Klassiker geltenden „Grüffelo“ erschien. Jetzt, am 24. September 2026, war es endlich so weit. Und ich war neugierig: Wie reagieren Kinder, die vielleicht schon ein wenig oder spürbar zu alt für ein Bilderbuch sind, auf die Rückkehr eines Charakters, den sie einige Jahre lang sehr geschätzt haben? Ein Selbstversuch mit der „Grüffelo-Oma“.

Der dritte Band der Grüffelo-Reihe ist im September 2026 erschienen.
Quelle: buchpanda.de (KI-Hintergrund)

Der unerwartete Millionenseller

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„Der Grüffelo“ erschien 1999 und wurde zum Überraschungserfolg, der seinesgleichen sucht. Laut Zeichner Axel Scheffler war eingangs eine Auflage von 1.500 Stück geplant. Es wurden ein wenig mehr: Zusammen mit dem fünf Jahre später erschienenen „Grüffelokind“ wurden weltweit 18 Millionen Exemplare abgesetzt. Dass sich daraus auch ein Merchandise-Imperium mit Kuscheltieren, Kochbüchern, Brotdosen, Filmen und allen Schikanen entwickelte, dürfte klar sein. Allerdings wurde der Grüffelo nie so schamlos gemolken und lizenziert wie andere Kinder-Franchises.

Die Vorfreude auf das neue Buch war weltweit riesig. In Großbritannien wurde „Die Grüffelo-Oma“ zum schnellstverkauften Kinderbuch aller Zeiten, in 40 weiteren Ländern wurde die Veröffentlichung mit viel Aufwand auf den gleichen Tag geplant. Das Lesealter wird in Deutschland mit 4-8 Jahren angegeben, in Großbritannien ist man traditionell etwas früher dran, hier heißt es 3-7 Jahre. Die Vorfreude meiner 9-jährigen Tochter war, ungeachtet der offiziellen Einschätzungen, größer als erwartet, die 13-Jährige reagierte mit einem wiederum sehr erwartungsgemäßen „aha“ oder Worten ähnlichen Effektes.

Im Mittelpunkt der Bücher steht eigentlich großes Erzählen, auch wenn die Geschichten selbst gar nicht viel Text, und den noch dazu in Reimform, haben. Zusammen mit den filigranen Bildern werden daraus aber große kleine Heldenepen.

Im ersten Band schaffte es eine kleine Maus, für ihre Fressfeinde vom potentiellen Opfer zur Schreckgestalt zu werden – auch gegenüber dem furchteinflößenden Grüffelo. Der aufgebaute Mythos wurde im zweiten Band überlebensgroß und drohte zu zerplatzen, aber wieder rettete sich die Maus mit etwas Grusel-Fantasy. Im neuen Band „Die Grüffelo-Oma“ scheint es, als wäre der Schrecken auf beiden Seiten etwas vergangen. Die Grüffelos trauen sich sorglos in den Wald, was vorher unmöglich war. Und auch die Waldtiere scheinen sich an die großen Monster gewöhnt zu haben. Die Maus kann ihr Leben aber wieder durch gutes Erzählen retten – diesmal mehr denn je und ganz in der Tradition der Scheherazade in Tausendundeiner Nacht. Dabei erleben wir quasi ein Best-of des Schöpfungs-Duos Julia Donaldson/Axel Scheffler. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das Werk von Julia Donaldson und Axel Scheffler umfasst viel mehr als nur den Grüffelo.
Quelle: buchpanda.de (KI-Hintergrund)

Das Leseerlebnis

Nachdem also das neue Werk im Buchladen gekauft wurde, ging es direkt ans Lesen. Gleich zu Anfang Verwunderung bei allen: War das Grüffelokind schon immer ein Mädchen? Das wurde in der deutschen Fassung offen gehalten und im Film sprach es mit Jungenstimme. Eine kleine Recherche aber zeigt: Tatsächlich war das kleine Monster im Original schon immer „she“ (also „sie“). Verwunderung löste auch aus, dass die Grüffelos – wie erwähnt – bedenkenlos in den Wald gehen, vor dem sie sich zuvor so fürchteten.

Am Ende des Buches gab es Jubel bei der 9-Jährigen, die Große blieb beim „aha“ oder etwas lebhafteren „jaja“. „Schön, dass man einmal die Familie kennenlernt“, hieß es anschließend. Dann kamen die Logikfragen auf, beispielsweise: Wie konnte denn die Grüffelo-Oma ihr Kommen ankündigen? Post ist ausgeschlossen (das ergibt sich aus der Story), moderne Technik gibt es hier nicht. Und: „Gibt es eigentlich auch eine Grüffelo-Mama?“

Diese Frage, soviel sei gesagt, wird sich wohl nicht mehr klären, glaubt man zumindest Zeichner Axel Scheffler, der der Süddeutschen unlängst im Interview verriet: „ich denke nicht, dass wir jetzt die ganze Familie kennenlernen müssen, also den Onkel und die Tante und so weiter.“ Wobei – von einer Mutter ist da nicht die Rede. Falls es aber wieder 20 Jahre dauert, wäre Scheffler 88 Jahre alt, Autorin Julia Donaldson 98.

„Die Grüffelo-Oma“ – was bleibt bei Kindern und Eltern?

„Der Grüffelo“ ist der größte Star des Hit-Duos Donaldson/Scheffler, das Gesamtwerk aber weitaus vielfältiger. Die Faszination der Bücher in ihrer Gesamtheit bleibt lange, auch für Erwachsene. Denn auch ich kann mich als Vater mit Freude dem Thema widmen, weil die Bücher Spaß machen und zum mehrfachen Entdecken einladen. Und ja, auch ich war neugierig, wie die Geschichte weiterentwickelt werden kann. Immerhin hatte Axel Scheffler lange Jahre gesagt, dass es keinen dritten Grüffelo geben wird und ließ sich schließlich durch die Qualität des Textes überzeugen. Das Einbringen anderer Geschichten aus dem eigenen Werk der Schöpfer*innen ist clever (nicht nur aus Marketing-Aspekten) und macht das Buch ganz und gar nostalgisch. Tatsächlich ist es ratsam, die Vorgänger zu kennen, um die neue Geschichte voll einordnen zu können. Ohne sie verpufft der Spaß sicher nicht, er fällt aber geringer aus. Ob Band 3 qualitativ mithält, wird man nach ein, zwei weiteren Sitzungen bewerten können.

Und die Kinder? Sind genauso dabei wie ihr Vater. Die Ältere mit kritischem Halbinteresse, die Jüngere mit echter Begeisterung und Freude an einem wirklich schönen Buch über die Macht des Erzählens.

Die Grüffelo-Oma
Text: Julia Donaldson
Illustration: Axel Scheffler
Übersetzung: Monika Osberghaus
2026 im Verlag Beltz & Gelberg
Hardcover, 38 Seiten
Preis: 16 Euro

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