„Colorblind Casting“: Diese Buchfiguren wurden von Menschen mit anderer Hautfarbe gespielt

„Colorblind Casting“ sorgt bei Buchverfilmungen immer wieder für Diskussionen. Diese Figuren sahen im Film ganz anders aus als im Buch.

Colorblind Casting macht viele Fans bei Buchverfilmungen wütend.
Quelle: Midjourney

Bücher entführen uns in eine magische Welt. Wir dürfen uns dank der Beschreibungen im Buch vorstellen, wie diese fiktive Welt, die Kulisse und natürlich auch die Personen aussehen. Viele Fans sehen deshalb auch kritisch auf Verfilmungen ihrer Lieblingsbücher, da diese häufig nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Manchmal werden sogar komplette Handlungesabläufe verändert. Wenn dann die Figuren ganz anders aussehen, als in den Texten beschrieben, regt das viele Fans besonders auf. Besonders wenn sich die Hautfarbe der Buchfiguren dabei verändert, sind viele Lesende mit der Besetzung besonders unzufrieden. Auf der nächsten Seite verraten wir daher, was genau hinter dem so genannten „Colorblind Casting“ steckt und in welchen Buchverfilmungen es auftaucht.

Colorblind Casting: Die Figuren werden unabhängig der Hautfarbe der Buchvorlage gecastet.
Quelle: Midjourney

Was ist Colorblind Casting?

Colorblind Casting ist ein Ansatz bei Buchverfilmungen und anderen Produktionen, bei dem bewusst nicht auf die ethnische Zugehörigkeit oder Hautfarbe von Schauspieler*innen für bestimmte Rollen geachtet wird. Stattdessen steht deren Eignung für die Rolle im Vordergrund. 

Historisch wurden POC-Rollen (POC = People Of Color) häufig von Darsteller*innen mit weißer Hautfarbe verkörpert. Kritiker*innen nennen das „Whitewashing“ - also das „weißwaschen“ der Hautfarbe. In den letzten Jahren gibt es jedoch auch den Ansatz, ursprünglich weiße Figuren mit POC-Darsteller*innen zu besetzen. Das könne helfen, stereotype Darstellungen zu vermeiden und ein breiteres Spektrum an Talenten zu nutzen. Dieses so genannte „Colorblind Casting“ zielt darauf ab, eine realistischere und vielfältigere Darstellung der Gesellschaft zu schaffen, indem es talentierten Schauspieler*innen die Möglichkeit gibt, Rollen zu übernehmen, die traditionell mit bestimmten Ethnien oder Hautfarben verbunden sind.

Eartha Kitt und Julie Newmar spielten Catwoman in der klassischen Batman-Serie.
Quelle: IMAGO / Everett Collection, IMAGO / Everett Collection
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#1 Catwoman in „Batman“

Zugegeben ist es keine Buchverfilmung im eigentlichen Sinne, sondern eine Neubesetzung einer Comicfigur. Trotzdem ist dieser Fall bemerkenswert: In der legendären Sixties-Comedy-Serie „Batman“ mit Adam West und Burt Ward (1966-1968) kam es zu einem der frühesten Fälle des Colorblind Casting überhaupt. Die Rolle der Catwoman wurde erst von den weißen Frauen Julie Newmar und Lee Meriwether gespielt. In der dritten und letzten Staffel der ikonischen Serie wurde aber – völlig untypisch zu jener Zeit – die schwarze Schauspielerin und Sängerin Eartha Kitt für die Rolle gewählt. Ein mutiger Schritt damals, aber leider auch mit Wermutstropfen: Aufgrund der unterschiedlichen Hautfarbe konnte die angedeutete Liebelei zwischen Batman und Catwoman nicht ausgearbeitet werden. Zur damaligen Zeit war eine Beziehung zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe in den USA absolut undenkbar und in manchen Bundesstaaten sogar strafbar. Die politische Aktivistin Eartha Kitt konnte die Rolle aufgrund ihrer schauspielerischen Fähigkeiten ergattern und so beweisen, worauf es wirklich ankommt.

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Colorblind Casting: Im Manga „Ghost in the Shell“ geht es um die Cyborg-Polizeiagentin Motoko Kusanagi.
Quelle: IMAGO / Capital Pictures, IMAGO / Capital Pictures

#2 Motoko Kusanagi in „Ghost in the Shell“

Im Manga „Ghost in the Shell“ geht es um die Cyborg-Polizeiagentin Motoko Kusanagi, die versucht, ihre eigene Identität und Menschlichkeit zu verstehen, während sie gegen kriminelle Machenschaften in einer futuristischen Welt kämpft. Der Manga von Masamune Shirow aus dem Jahr 1989 spielt in Japan und auch Motoko Kusanagi ist Japanerin. In der Hollywoodverfilmung aus dem Jahr 2017 wurde sie jedoch von Scarlett Johansson gespielt – eine US-amerikanisch-dänische Schauspielerin.

LesetippBuchverfilmungen bewegen seit Beginn des Kinos die Gemüter. Hier sind Highlights, Flops und Fan-Debatten im Überblick.

Es gab ein Colorblind Casting bei der Verfilmung der „Hunger Games“.
Quelle: Midjourney, IMAGO / Cinema Publishers Collection

#3  Katniss Everdeen in „Die Tribute von Panem"

Im ersten Buch der „ Hunger Games "-Reihe wird Katniss als eine dünne junge Frau mit dunklem Haar, olivfarbener Haut und grauen Augen beschrieben. Laut einer KI sieht sie also so aus, wie auf dem Bild oben links. Katniss-Darstellerin Jennifer Lawrence hat angeblich deutsche Vorfahren, ebenso hat sie irische, skandinavische, schottische und schweizerische Wurzeln. Das Mädchen im Buch wurde aber eher wie eine Latina beschrieben

In der Verfilmung von „Spider-Man: Homecoming" ist MJ anders, als in den Comics geschrieben.
Quelle: Reddit/Flash_h, IMAGO / Capital Pictures

#4 MJ in „Spider-Man: Homecoming"

MJ, der heimliche Schwarm und die spätere Freundin von Spider-Man, heißt  in diesem Film eigentlich Michelle Jones. In den Comics ist MJ die Abkürzung für Spider-Mans große Liebe Mary-Jane. Ein weiteres Detail, dass bei dieser Comicbuchverfilmung verändert wurde, ist MJs Aussehen: In den Heften hat sie rote Haare und sehr helle Haut. In den Filmen ab 2017 wird sie von Zendaya gespielt, die Tochter der deutsch-schottischen Claire Stoermer und des Afroamerikaners Kazembe Ajamu ist. 

Auch in „Der Marsianer" kam Colorblind Casting vor.
Quelle: Midjourney, IMAGO / Everett Collection

#5 Mindy Park in „Der Marsianer"

„Der Marsianer“ ist der Debütroman und eine Robinsonade der US-amerikanischen Schriftstellers Andy Weir: Der NASA-Astronaut Mark Watney wird auf dem Mars zurückgelassen, da er fälschlicherweise für tot erklärt wurde. Er versucht nicht nur, zu überleben, sondern auch Kontakt zur Erde aufzunehmen. Ihm gelingt es, aufgrund seiner Fähigkeiten als Botaniker und Maschinenbauingenieur, Sauerstoff zu erzeugen und Signale an die NASA-Zentrale zu senden. Eine Rolle spielt hier Mindy Park, die Satellitenkommunikationsingenieurin ist und für die NASA arbeitet. Im Buch wird sie als koreanisch-amerikanisch beschrieben, gespielt wird sie aber von der weißen Kanadierin Mackenzie Davis, die aus British Columbia stammt.

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Die Romanvorlage kennen wohl weniger Menschen, als den Film.
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Die Besetzung der Figur Allison Ng im Film „Aloha“ aus dem Jahr 2015 ist eher umstritten.
Quelle: Midjourney, IMAGO / Capital Pictures

#6 Allison Ng in „Aloha – Die Chance auf Glück“

Ein besonders umstrittenes Beispiel für Colorblind Casting ist die Besetzung der Figur Allison Ng im Film „ Aloha – Die Chance auf Glück “ aus dem Jahr 2015. Allison Ng wird als eine Frau mit chinesischer und hawaiianischer Abstammung beschrieben. In der Verfilmung wurde sie jedoch von Emma Stone dargestellt, einer Schauspielerin mit skandinavischen und deutschen Wurzeln. Die Besetzung löste viel Kritik aus, da viele fanden, dass die Rolle mit einer Schauspielerin besetzt werden sollte, die tatsächlich hawaiianische oder chinesische Wurzeln hat. Der Regisseur Cameron Crowe entschuldigte sich später öffentlich für diese Entscheidung.

In „Troja – Untergang einer Stadt“ wird die legendäre Figur Achilles, der Krieger aus Homers „Ilias“, von David Gyasi dargestellt.
Quelle: Midjourney, IMAGO / Landmark Media

#7 Achilles in „Troja – Untergang einer Stadt“

In der BBC-Serie „Troja – Untergang einer Stadt“ aus dem Jahr 2018 wird die legendäre Figur Achilles, des berühmten griechischen Kriegers aus Homers „Ilias“, vom britischen Schauspieler David Gyasi dargestellt. Gyasi ist ein schwarzer Schauspieler, während Achilles in den traditionellen Darstellungen der griechischen Mythologie als weißer Mann beschrieben wird. Diese Besetzung sorgte für einige Kontroversen und Diskussionen darüber, wie mythologische und historische Figuren in modernen Adaptionen dargestellt werden sollten. Die Produzent*innen der Serie verteidigten ihre Entscheidung und betonten, dass sie eine vielfältigere und zeitgemäßere Darstellung der antiken Welt anstreben.

In „Percy Jackson: Die Serie“ wurde die Figur Annabeth Chase, ursprünglich als Mädchen mit blonden Haaren und grauen Augen beschrieben, mit der Schauspielerin Leah Sava Jeffries besetzt.
Quelle: Midjourney, IMAGO / PA Images

#8 Annabeth Chase in „Percy Jackson: Die Serie“

In der TV-Serien-Adaption der beliebten Buchreihe „ Percy Jackson “ wurde die Figur Annabeth Chase – ursprünglich als weißes Mädchen mit blonden Haaren und grauen Augen beschrieben – mit der schwarzen Schauspielerin Leah Sava Jeffries besetzt. Diese Entscheidung hat eine breite Diskussion über die Bedeutung von charakterlicher und visueller Treue zu literarischen Vorlagen ausgelöst. Die Fans der Bücher waren geteilter Meinung: einige freuten sich über die Diversität, die die Serie bringen wird, während andere an der ursprünglichen Beschreibung der Figuren festhalten wollten. Rick Riordan, der Autor der Buchreihe, hat Leah Sava Jeffries‘ Besetzung ausdrücklich unterstützt und betont, dass die Essenz der Figur im Charakter und nicht in der Hautfarbe liegt.

Colorblind Casting: Im Film „Wanted“ aus dem Jahr 2008 wird die Hauptfigur von Angelina Jolie gespielt.
Quelle: Midjourney, IMAGO / Everett Collection

#9 Fox in „Wanted“

Im Film „Wanted“ aus dem Jahr 2008, der auf der gleichnamigen Comicreihe basiert, wird die Figur Fox von Angelina Jolie gespielt. Im Original-Comic von Mark Millar und J.G. Jones ist Fox jedoch eine afroamerikanische Frau, die stark an die Schauspielerin Halle Berry erinnern soll. Die Entscheidung, Jolie für diese Rolle zu besetzen, führte zu Diskussionen über Whitewashing und die Notwendigkeit von mehr Diversität in Hollywood. Trotz der Kontroversen wurde der Film ein Erfolg, aber das Beispiel bleibt ein markanter Fall von Colorblind Casting, der zeigt, wie unterschiedlich Figuren in verschiedenen Medien dargestellt werden können.

Colorblind Casting gab es auch bei Arielle, der kleinen Meerjungfrau.
Quelle: IMAGO / Allstar, IMAGO / Everett Collection

#10 Arielle in „Arielle, die Meerjungfrau“

Eine der bekanntesten und meistdiskutierten Besetzungen der letzten Jahre ist die von Halle Bailey als Arielle in Disneys Live-Action-Adaption von „ Arielle, die Meerjungfrau “. Im ursprünglichen Zeichentrickfilm von 1989 ist Arielle eine weiße Meerjungfrau mit roten Haaren, inspiriert von der dänischen Märchenfigur. Die Entscheidung, Halle Baley als Schauspielerin für diese Rolle zu besetzen, sorgte für sowohl Begeisterung als auch Kontroversen. Viele Fans sahen dies als einen positiven Schritt in Richtung mehr Diversität und Inklusion, während andere an der traditionellen Darstellung der Figur festhalten wollten. Die Filmemacher betonten, dass Halle Baileys Talent und Ausstrahlung sie zur perfekten Wahl für die Rolle machten.

Colorblind Casting gibt es auch in der welt von Sherlock Holmes. In „Die Bande aus der Baker Street“.
Quelle: IMAGO / GRANGER Historical Picture Archive, IMAGO / ZUMA Press

#11 Dr. John Watson in „Die Bande aus der Baker Street“

In der 2021er Netflix-Serie „Die Bande aus der Baker Street“ (Originaltitel: „The Irregulars“) wird die Figur des Dr. John Watson, dem legendären Freund und Kollegen von Sherlock Holmes, vom britischen Schauspieler Royce Pierreson dargestellt. In den klassischen Werken von Sir Arthur Conan Doyle wird Watson als weißer Mann beschrieben, etwas anderes wäre zu jener Zeit auch gesellschaftlich nicht denkbar gewesen. Die Entscheidung, einen schwarzen Schauspieler für diese Rolle zu besetzen, wurde von vielen als frische und aktuelle Interpretation der klassischen Geschichten begrüßt. Die Macher der Serie wollten die viktorianische Welt des Sherlock Holmes diverser und inklusiver gestalten und betonten, dass die Essenz der Figuren und Geschichten dadurch nicht verloren geht.

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